Palmsonntag

Was bringt Menschen dazu, sich für Jemanden zu begeistern? Wir reden hier nicht von aberwitzigen Reaktionen, die bei meist jungen Menschen die Anwesenheit von Stars oder Sternchen auslöst. Die kreischenden Jugendlichen schämen sich meist selbst ein halbes Jahr später für ihre Gefühlsausbrüche. Für die Erwachsene gibt es ohnehin bemerkenswert wenig Vorbilder, die man verehren könnte: Kaum ein Held, der nicht beizeiten demontiert würde, durch Enthüllungen, durch die Geschichte, durch sich selbst. Kein Fehltritt eines Prominenten bleibt heute unbemerkt. Und doch gibt es Personen, die in aller Öffentlichkeit schlimme Dinge anstellen, sogar Verbrechen begehen, jedes Recht mit Füßen treten – und trotzdem (oder deswegen?) auf eine treue Anhängerschaft vertrauen dürfen. Macht zieht an.

Die Kirche denkt am Palmsonntag nicht nur an Jesu Einzug in Jerusalem. Sie feiert, so wie die Menschen damals gefeiert haben, Gottes Sohn, der für die Wahrheit lebte und starb, der keine roten Teppiche braucht und keine Propagandamaschinerie, um Lügen zu verstecken und nach möglichst absoluter Macht zu greifen, denn er ist die Wahrheit und das Leben.

Wenn wir am Sonntag grüne Zweige in die Hand nehmen (es müssen ja keine Palmzweige sein), wenn wir sie am Altar niederlegen mit Bitten und mit Dank, wenn wir uns Christus anvertrauen, singend, nicht kreischend, dann werden wir spüren können, wie er uns in jeder Lebenslage nahe ist – kein weltfremder Star, sondern unser Bruder und Herr.