Christi Himmelfahrt
22.05.2020

Sterndeuter und Himmelskundige aller Zeiten haben sich gefragt, was es mit dem Himmel auf sich hat. Sie haben beobachtet und gemessen, haben gerechnet und spekuliert und gefragt, ob der Himmel ein leerer Raum ist oder mit Äther gefüllt, ob die Planeten darin fest verankert sind oder sie in Kreisen und elliptischen Bahnen ziehen, ob der Himmel so, wie wir ihn sehen, schon immer da war oder ob es einen Anfang gab, ob da Gott zu finden ist…. Raumschiffe werden in den Himmel geschickt, atemberaubende wissenschaftliche Forschung betrieben, deren Ergebnisse allerdings nichts dem Himmel zu tun haben, von dem in der Bibel die Rede ist. Der Himmel ist mehr als eine physikalisch messbare Größe.

Wenn die Bibel vom Himmel spricht, wie heute am Fest Christi Himmelfahrt, dann meint sie die Wirklichkeit Gottes. Und die kann man nicht messen, wiegen, mit Apparaten sichtbar machen. Sie ist von anderer Art als materielle Wirklichkeit. Als der erste Kosmonaut Juri Gagarin am 21.4. 1962 die Erde umrundete, soll er zur Erde gefunkt haben: „Ich bin im Weltall. Gott habe ich nicht gesehen.“ Das hätte ich ihm gleich sagen können. Wer etwas vom Himmel erfahren möchte, soll nicht in das Weltall schauen, sondern eher in sich hineinhorchen. Da ist zuweilen etwas von Gottes Wirklichkeit zu erahnen, wenn wir uns glücklich wie im Himmel fühlen, wenn das Gute über das Böse siegt… Da berührt der Himmel die Erde.

Heinrich Heine verspottete den Himmel in seinen Gedichten. Der Glaube an den Himmel sei Opium, formuliert Karl Marx. Er hatte keine Ahnung vom Christentum. Im Gegenteil: Der Gedanke, dass sich mein und dein Leben, der Kosmos, einmal in Gottes Wirklichkeit vollenden wird, dass die Geschichte ein Ziel hat und gut ausgehen wird, ist ein enormes Motiv, schon jetzt die Erde zum Guten zu verändern. Gut, dass es den Himmel gibt, meint Wolfgang Teichert, Pfarrer i.R.