Harmonie
Die Harmonielehre, ein Teilgebiet der Musiktheorie, beschäftigt sich vorwiegend mit Dur- und Moll-Dreiklängen, die wir als harmonisch empfinden, und mit veränderten Dreiklängen, die durch das Verschieben eines Tones entstehen, die in sich nicht stabil sind, die wir als Dissonanzen hören.
Eine Harmonielehre eigener Art entdecke ich in den Worten Jesu:
In ihrem Zentrum steht ein Dreiklang, aufgebaut aus den Tönen Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe. Durch jeden von uns soll dieser Akkord angeschlagen werden, deshalb der Auftrag: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.« Und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«
Hermann Hesse nennt den letzten Satz »das weiseste Wort, das je gesprochen wurde«, den »Inbegriff aller Lebenskunst«. Er beschreibt aber auch treffend, wie dieser harmonische Akkord durch das Verschieben eines Tones verändert werden kann, welche Dissonanzen sich einschleichen können: »Man kann den Nächsten weniger lieben als sich selbst – dann ist man der Egoist, ... und man kann zwar Geld und Macht sammeln, aber kein frohes Herz haben, und die feinsten Freuden sind einem verschlossen. Oder man kann den Nächsten mehr lieben als sich selbst – dann ist man ein armer Teufel, voll Verlangen, und voll Plagerei gegen sich selbst und lebt in einer Hölle, die man täglich selber heizt.«
Harmonie kann auch verlorengehen, wenn der dritte Ton – die Gottesliebe – zum Misston wird, wenn das Gespür für das Geschenk des Lebens auf der Strecke bleibt, wenn Gebet und Dank zu kurz kommen.
Einleuchtend: Ein schiefer Ton verändert den ganzen Akkord. Wer sich selbst nicht mag, kann auch andere nicht mögen und wird ständig mit dem hadern, der ihm dieses Leben zumutet. Umgekehrt gilt in der Harmonielehre Jesu aber auch: Ein guter Ton macht die Musik und sorgt für Harmonie. Wer zu sich selbst ›ja‹ sagen kann mit seinen Schattenseiten, kann sich auch über das Gute am anderen freuen und Unzulänglichkeiten akzeptieren.
Das Bewährungsfeld der Harmonielehre Jesu ist unser Verhalten im Alltag. Deshalb: „Akkordarbeiter“ gesucht! Menschen, die am Akkord der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe arbeiten. Menschen, die dafür sorgen, dass die Harmonie in unserer Welt nicht verstummt.
Mit Segensgrüßen
Pfr. D. Molin