13.11.2020
Kanzelreden im Advent

„Selig die Trauernden, sie werden getröstet werden“ Eine Reihe des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Meiningen in Zusammenarbeit mit der Leserinitiative Publik-Forum e.V.

Als Engel große Freude verkündeten, Hirten staunend an der Krippe standen und drei Weise ehrfürchtig niederknieten, da blieb Joseph stumm. Jedenfalls nennt die Weihnachtserzählung kein Wort von ihm, keine Regung. Vielleicht konnte er die Botschaft, Jesus sei der rettende Friedefürst, einfach nicht glauben. Vielleicht hatte er alle Zuversicht verloren angesichts von Not und Leid, die er erlebte. Wo ist Gottes Zuwendung zu den Armen und Gebeutelten, wo zeigt sich, was die Schrift sagt: Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. So mag der schweigende Joseph gedacht haben, resigniert, glaubensverzagt. Aber dann hatte er doch Mut und Vertrauen, als ihm ein Engel im Traum erschien, brach auf und brachte seine Familie nach Ägypten in Sicherheit vor den Schergen des Herodes.

Gott richtet die Gebeugten auf, trocknet Tränen, heilt Wunden. Das verkündet auch Jesus in der Bergpredigt. Selig die Trauernden, sie werden getröstet werden. Aber wie soll man das für wahr halten, wenn die Welt zerrissen ist von Kriegen, Unrecht und Menschenfeindlichkeit, wenn die Schöpfung ausgebeutet wird, Krankheiten das Leben bedrohen und der Tod Hoffnungen begräbt? Die Frage: „Warum lässt Gott das zu?“ quält, seit es Glauben gibt. Sie gipfelt im verzweifelten Schrei: „Wo war Gott in Auschwitz?“ Zu allen Zeiten hat sie Menschen um ihr Vertrauen auf den liebenden und gerechten Schöpfer der Welt gebracht.

Die Kanzelredner und –rednerinnen schildern, wie sie selbst mit dieser Frage umgehen, und erzählen, was sie trotz allem hoffen lässt. Die Reden werden im Rahmen einer Andacht in verschiedenen Kirchen des Kirchenkreises gehalten. Anschließend sind alle Interessierten herzlich zum Gespräch und zur Diskussion eingeladen.

Termine:

Mittwoch, 25. November, 19.30 Uhr, St. Veits-Kirche Sülzfeld

Darf man mit Gott hadern?

Gábor Lengyel hat abgesagt. Für ihn kommt Peter Hertel (geb. 1937), katholischer Theologe und Sozialwissenschaftler, seit 60 Jahren als Journaiist tätig. In der Hörfunk-Redaktion "Religion und Gesellschaft" des NDR verantwortete er u.a. die Sendungen zum Judentum. Seit langem widmet er sich intensiv dem Gedenken an den Holocaust und der evangelisch-katholischen Ökumene. Er ist Autor zahlreicher Bücher, u.a. über die katholische Geheimorganisation Opus Dei.

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Dienstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, Evangelische Kirche Gerthausen

Wenn Anfang und Ende sich begegnen

Hildegard Wörz-Strauß (geb. 1962) ist katholische Theologin und Klinikseelsorgerin an der Uniklinik Augsburg. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Begleitung von Tumorpatientinnen in der Gynäkologie und von Eltern, die ihr Baby während der Schwangerschaft oder mit der Geburt verlieren. 2018 ist ihr Buch „Und was kommt danach?“ zum Thema Tot- und Fehlgeburt erschienen. 

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Dienstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, Stiftskirche Römhild

Trauer, die uns handeln lässt

Andreas Knapp (geb. 1958) ist katholischer Priester und Autor zahlreicher Bücher mit geistlichen Gedichten. Er wohnt mit zwei Mitbrüdern des Ordens Kleine Brüder vom Evangelium in der Plattenbausiedlung Grünau, einem sozialen Brennpunkt in Leipzig, und teilt das Leben der dortigen Menschen. 2018 erhielt er den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche.

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Donnerstag, 17.Dezember, 19.30 Uhr, St. Magdalenen-Kirche Zella-Mehlis

Auf der Welle – in der Welle: Beflügeln Krisen das Leben?

Antje Rösener (geb. 1961) ist evangelische Pfarrerin und Geschäftsführerin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Westfalen und Lippe e.V. Zuvor war sie 15 Jahre lang dessen Theologische Studienleiterin. 2007 erhielt die Autorin und Herausgeberin verschiedener Bücher den ökumenischen Predigtpreis des Verlages für die Deutsche Wirtschaft im Bereich „Beste Liedpredigt“.

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