Wandern kann helfen

                                Liebe Leserinnen, liebe Leser!

"Wenn Du einmal Kummer oder Sorgen haben solltest im Leben, dann geh mit offenen Augen durch den Wald und in jedem Baum und in jedem Strauch, in jeder Blume und in jedem Tier wird Dir die Güte Gottes begegnen und Dir Trost und Kraft geben." Diese Worte stammen von dem Schauspieler Gustav Knuth und er spricht sie seiner Filmtochter Romy Schneider zu.
Gerne bekenne ich, dass mich dieser Satz in schwierigen Situationen ermutigt hat. Vielmehr die Erfahrung, die hinter diesem Rat steht.

Eine gute Freundin erzählte mir, dass es ihr ähnlich ginge, wenn sie im Wald unterwegs ist. „Ich glaube, dass man sich fast jeden Schmerz von der Seele laufen kann“. In ihrem Leben hat es viel davon gegeben. Bis an das Ende der Welt ist sie nach dem Zerbrechen ihrer Ehe gelaufen, durch die Wälder und über die Berge Spaniens. Eines Tages fand ich eine Postkarte von ihr im Briefkasten. "Finis terrae" stand darauf. Abgeschickt wurde sie von jenem Ort in an der spanischen Küste, den man im Mittelalter für das Ende der Welt hielt.

„Gras lässt er hervorsprießen für das Vieh und allerlei Pflanzen für den Bedarf des Menschen, damit dieser aus dem Schoß der Erde sein tägliches Brot gewinnt. Er schenkt Wein, der das Herz des Menschen erfreut, und Brot, das sein Herz stärkt“. Dieser Psalmvers, den einige Pilger im Herzen trugen, bringt die gleiche Erfahrung zum Ausdruck. Gott begegnet uns, wenn wir mit offenen Augen und Ohren durch seine Schöpfung gehen und wahr-nehmen, was um uns herum geschieht.
Wenn wir wandern, gehen wir auf Distanz von allem, was uns ängstigt und setzen uns einer anderen Gegenwart aus.

Die Welt steht gerade still und wir bekommen Gelegenheit, unser Leben zu überdenken. Sich mit Ängsten auseinander zu setzen und wichtige Dinge zu entscheiden. In dieser Ausnahmesituation lernen wir uns näher kennen und haben die Gelegenheit, besser zu werden, Prioritäten anders zu setzen und unseren Mitmenschen anders zu begegnen.

Eine einfache Wanderung kann helfen. Mehr habe ich an dieser Stelle nicht zu sagen.

Bleiben Sie behütet!

Rolf Lakemann, Schulbeauftragter der Propstei Meiningen – Suhl