Vom Frieden träumen . . .
27.11.2019

Unsere Welt, in die wir hineingeboren werden, hält viele Stoffe, Dinge und Möglichkeiten für uns bereit. Wir können sie gebrauchen – für einen guten Zweck oder mit bösen Absichten. Ob etwa aus dem Eisenerz, das wir finden, Todeswerkzeuge entstehen oder Instrumente, die uns zum Leben helfen, liegt in unserer Entscheidung.

Wir hätten Frieden, wir hätten alle genug zu essen und zu trinken, wenn anstelle von Waffen Geräte für die Landwirtschaft hergestellt würden. Und die Schwerter und Lanzen, mit denen jetzt noch Kriege geführt werden, könnte man doch zu Pflugscharen und Winzermessern umschmieden.

So hat schon vor über 2500 Jahren in Israel einer geträumt, der sich mit der Welt, in der er leben musste, nicht abfinden wollte. Diesen Traum träumten tausende Jugendliche Anfang der 1980er Jahre. Und ich war dabei mit den Textilaufnäher an meiner „Studentenkutte“.

Diesen Traum von damals möchte ich weiterträumen: In meine Muttersprache zum Beispiel bin ich hineingewachsen. Ob ich ihre Worte als Waffen gegen andere oder als Brücken zu anderen gebrauche, liegt an mir.
Es wäre ein unverkrampfteres Zusammenleben möglich, wenn ich, statt mit meinen Worten andere mundtot zu machen, sie zu überfahren oder niederzureden, Worte finden würde, die verbinden, trösten und aufbauen; wenn es mir gelänge, verletzende Worte, die noch zu meinem Vokabular gehören, mit der Zeit durch versöhnende zu ersetzen.

Ich habe auch gelernt, meine Hände zu benützen. Ob ich sie zur Abwehr gegen andere oder zur Kontaktaufnahme mit anderen gebrauche, kann ich selbst entscheiden. Es könnte harmonischer aussehen in meiner Umgebung, wenn ich mit meinen Händen, statt zu drohen oder abzuweisen, andere führen, stützen oder einladen würde; wenn meine Hände öfters helfend zupacken würden; wenn es mir gelänge, meine Hände wieder zur Versöhnung zu öffnen, wo andere mich schlecht behandelt haben.

Solche Träume möchte ich in der Adventszeit wieder neu träumen - weiterträumen – den Traum der Pflugscharen und Winzermesser, den Traum der guten Worte und den Traum der offenen und helfenden Hände. Ich möchte vom Frieden träumen beim warmen Schein der Kerzen, und ich möchte vom Frieden singen in den adventlichen Liedern, weil ich weiß, dass diese Träume – von immer mehr Menschen geträumt – die Wirklichkeit verändern können. Wir hätten Frieden, wir hätten alle genug zu essen und zu trinken . . .
Eine friedliche Adventszeit

Pfr. D. Molin, Friedelshausen