Sorry, Knut…
24.01.2020

Kennen Sie Knut? Bestimmt! - Knut ist zur Zeit ziemlich präsent. In den letzten Tagen ist er mir oft begegnet… Bei meinen Fahrten durch die Dörfer habe ich sein Schild entdeckt: „Knut!!! Am 13. Januar.!“ Und dazu ein Bild von einem Weihnachtsbaum. 

Knuts Name ist Programm. Und zwar, seit vor ein paar Jahren ein bekanntes schwedisches Möbelhaus seinen Schlussverkauf fröhlich mit ihm bewarb: Wir feiern Knut – schmeißt die Bäume raus, schafft Platz für neue Möbel… So wurde Knut bei uns zum Namensgeber der alljährlichen Sammel- und Abholaktion für Weihnachtsbäume.

Lange dachte ich, er sei ein Werbe-Gag – oder der Name eines skandinavischen Regalsystems. Aber da hab ich mich getäuscht. Knut gab es wirklich – und sein Ehrentag ist bis heute in Schweden ein bekannter und beliebter Feiertag. Der echte Knut lebte im 11. Jahrhundert und herrschte als König Knut IV. über Dänemark. Er wird auch „Der Heilige“ genannt, weil er ein sehr frommer Christ war.

Es ist überliefert, dass er Weihnachten über alles liebte und deshalb ein Gesetz erließ, das die Weihnachtsfeierlichkeiten offiziell verlängerte – statt bis zum 6. Januar durfte nun bis zum 13. Januar gefeiert werden. Der letzte Festtag wurde zum St.-Knuts-Tag, der bis heute mit dem legendären Weihnachtsbaum-Plündern begangen wird. In froher Runde wird abgeschmückt und aller essbarer Baumschmuck verzehrt – und dann landet der Baum vor der Tür.

Letzteres ist uns von Knut geblieben. Allerdings werden hierzulande die meisten Bäume eher abgeschmückt. Damit Platz ist für die Silvester-Deko. Oder wegen des ungeschriebenen Wohnungsgesetzes: Wer nadelt, fliegt raus. Sorry, Knut… - Du kannst mir vielleicht mein Bäumchen nehmen, aber nicht meine Weihnachtsfreude.

Ich hab die kirchliche Tradition auf meiner Seite – nach der endet die Weihnachtszeit mit Maria Lichtmess am 2. Februar. Noch bleibt mir Zeit! Und wenn die Nadeln uns doch eher trennen sollten – ein Sternchen vom Baum behalt ich für mein Fenster. Die Weihnachtsbotschaft hat das ganze Jahr Saison!

Pfarrerin Hanna Freiberg, Obermaßfeld