Seht, die gute Zeit ist nah
11.12.2019

Kennen Sie Momo? Das kleine, besondere Mädchen ist eine Romanfigur von Michael Ende. Momo lehrt den Umgang mit der Zeit. Sie befindet sich in einem Zeittunnel und kommt nicht vorwärts, obwohl sie sich sehr anstrengt. Da bekommt sie einen Rat: „Du musst rückwärts gehen!“ Und im Rückwärtsgehen kommt sie vorwärts.

Sowas gibts nicht nur im Märchenroman, es ist sehr wahr, was Momo erlebt: Sie muss rückwärts gehen, um vorwärts zu kommen. Das ist gar nicht so abwegig wie es klingt. Menschen müssen regelmäßig an die Stelle zurück, wo sie etwas liegen gelassen haben, um es zu finden. Sie müssen immer mal wieder zum Ausgangs- oder Knackpunkt zurück, sonst bleiben sie auf der Strecke liegen und es geht nicht weiter.

Dafür muss man sich Zeit nehmen, um Vorwärts- und Rückwärtsgang in der richtigen Reihenfolge zu schalten. Dazu helfen auch jahreszeitliche Anstöße, um erinnert zu werden, wie es geht. Die Adventszeit könnte so ein Anstoß sein. Sie ist ja eigentlich eine stille Zeit (früher war das eine Fasten- und Nachdenkzeit vor dem Fest), die Menschen nutzen können, zu sich zu finden, anzukommen, denn Advent heißt Ankunft. Dazu gehört auch das Wort „besinnlich“, was nicht eine sentimentale Gefühlsduselei meint.

Wir haben ein reiches Brauchtum in dieser Zeit, das uns auch mal den Rückwärtsgang erleichtert. Brauchtum auch deshalb, weil man es braucht, Sich- Besinnen auf Gutes, Bewährtes. Erlebtes, auf Gerüche, Worte, Melodien, die vertraut sind seit der Kindheit und die wieder wach werden. Das bewirkt etwas, vielleicht eine Kurskorrektur im eigenen Leben oder es eröffnet den Rundblick von der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft.

Welch wunderbares Panorama tut sich da auf. Wir sehen plötzlich alles im Zusammenhang. Da ist man wieder Kind und gleichzeitig erwachsen, erwartungsvoll und lebensnah. Man sieht auch, wo andere in Not sind und besinnt sich auf den guten Brauch der Hilfsbereitschaft.

Die Christenheit erwartet die Ankunft Gottes in der Welt, der zu den Menschen kommt und ihr Leben reich macht. Wer darauf vertraut, wird beschenkt mit Geschenken, wie sie das bekannte thüringische Weihnachtslied von dem Lehrer und Komponisten Ernst Anschütz, geboren 1780 in Goldlauter, aufzählt: „O Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren: Die Hoffnung und Beständigkeit gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit.“ Erinnern Sie sich? Gut so, und eine gute Zeit.


Marita Krüger Pröpstin i.R. Meiningen