Erntedank
30.09.2019

Erntedank – wer kennt nicht die mit Feldfrüchten, Obst und Gemüse beladenen Tische beim Erntedankgottesdienst? Und in vielen Kirchen und Gemeinden ist es eine liebgewordene Tradition die Kollekte, also das im Erntedank-Gottesdienst gesammelte Geld für einen guten Zweck zu geben: Ein Erntedankopfer.

Und in den Predigten wird daran erinnert, dankbar zu sein. Den Menschen, die uns Gutes tun, ebenso wie Gott, dem Ursprung aller guten Dinge. Nicht, dass all das nicht wirklich wichtig ist, aber: Dann stoße ich in meiner Bibel auf das Buch Amos.

Amos war ein Prophet – einer, der Gottes Worte aussprach. Er war ein einfacher Mann in Israel im 8. Jhd. v. Chr., in einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs. In einer Zeit, in der Reiche reicher wurden und Arme ärmer.
Und Amos steht auf, erhebt eine Stimme gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung.

Und so sagt Gott durch ihn dem Volk (in Amos 5, 22-24): „Euer fettes Dankopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Gott will keine schönen (Ernte-) Dankesreden, keinen einstudierten Festgottesdienst und keine salbungsvollen Worte: Echte Dankbarkeit zeigt sich in unseren Taten.

Dankbarkeit für das Gute, das Gott uns täglich schenkt, zeigt sich darin, wie ich mit jenen umgehe, denen es weniger gut geht als mir. Mit denen, die vor Hunger und Gewalt fliehen. Mit denen, die nicht genug haben. Aber auch darin, wie ich mit der Erde umgehe, die uns von Gott anvertraut wurde.

Wir haben eine soziale und eine ökologische Verantwortung, eine Verantwortung für diese Erde und unsere Mitmenschen. Unser Handeln macht einen Unterschied. Ja, wenn ich erst einmal wirklich verstehe, dass alles, was ich habe, nur durch Gnade „meins“ ist, dann kann ich gar nicht anders, als mit dem zu teilen, der es weniger gut hat.

Gott nimmt diese Verantwortung sehr ernst. Wir auch? Und wenn wir diese Verantwortung ernst nehmen und uns dafür einsetzen, dass Gerechtigkeit fließt wie Wasserbäche, wenn wir uns einsetzen für die Alten, die Schwachen, die Geflüchteten, für alle die, die nach Gerechtigkeit hungern – dann freut sich Gott auch an unseren Festgottesdiensten. Und das ist ein wahres Dankopfer.

Deborah Kreß, Ev.-Freikirchliche Gemeinde Meiningen