Eine Chance für alle

Liebe Leserinnen und Leser,
eigentlich wollte ich über den Karneval schreiben. Doch nach den feigen und hinterhältigen Morden von Hanau geht dies nicht mehr: Tote und Schwerverletzte durch rassistischen Terror mitten unter uns.

Wer immer noch meint, dass nach rassistischen, ausgrenzenden und herabwürdigenden Worten keine Taten folgen würden, der verschließt die Augen vor der Realität des Hasses unter uns. Wer die Abschaffung unseres demokratischen Systems fordert und offen zum Umsturz aufruft, bereitet den Nährboden für die Taten von Halle oder Hanau.

Der Hass hat sich wie ein Krebsgeschwür ausgebreitet und bricht offen hervor. Rassistischer und rechter Terror sind die größte Gefahr für unser Zusammenleben. Wer dieses abstreitet, verniedlicht oder leugnet stellt sich gegen das Leben, gegen die Liebe und gegen die Mitmenschlichkeit, die für ein Leben in einer freien Gesellschaft notwendig sind.

Wir müssen aufhören, uns zu hassen und stattdessen miteinander reden, wie wir leben wollen. Wir müssen gemeinsam danach suchen, wie wir es schaffen können, an einer Gesellschaft zu bauen, die allen eine Chance gibt, den eigenen Platz zu finden. Wir brauchen eine Gesellschaft, die mitnimmt und nicht ausgrenzt, die andere mit Liebe trifft statt mit Hass, die zuhört statt über den andern zu hetzen.

Als Christen haben wir den Auftrag zur Liebe und zu Mitmenschlichkeit, wie Jesus es vorgelebt hat. Noch habe ich die Hoffnung, dass es uns gelingt. Darum bete ich für die Opfer und die Angehörigen der Toten und Verletzten, aber auch für den Mörder, seine tote Mutter und die Familie. Bitte beten Sie mit. Reden Sie miteinander. Schweigen nützte den Tätern und den Anheizern von Hass und Gewalt.

Ihr Pfarrer Michael Schlauraff