Besinnung zum Heiligabend - Mittendrin
20.12.2019

Krippenspiele gehören zu den Weihnachtsgottesdiensten. Seit Wochen üben Kinder, Konfirmanden und oft auch Erwachsene Szenen, die die Geschichte von der Geburt Jesu in Bethlehem erzählen. Besonders schön finde ich es, wenn alle Generationen mitwirken.

An dieser Stelle sage ich auch einen ganz großen Dank an alle, die mitwirken, einzustudieren und helfen, dass die Stücke gelingen. Manche Krippenspiele sind sehr nah an der biblischen Geschichte, andere übertragen sie in die heutige Zeit. Es gibt gereimte und gesungene Stücke, solche mit großartigen Kostümen und solche, die mit ganz wenigen Requisiten auskommen.

Eines haben alle Krippenspiele gemeinsam: Sie erzählen von Gottes Kommen in diese Welt. Sie bringen uns die Weihnachtsbotschaft ganz nah, als wären wir mittendrin. So ergeht es Paul, einem zehnjährigen Jungen. Im Krippenspiel ist er der Wirt. Er soll Maria und Josef fortschicken, als sie nach einer Unterkunft fragen. Mit barschem Ton soll er sagen: “Alles belegt. Hier ist kein Platz für Leute wie ihr.“ Und dann soll er die Tür laut zuknallen.

Eigentlich ist das eine unkomplizierte Rolle. Doch am Heiligabend in der Kirche ist Paul so ergriffen vom Schicksal der schwangeren Maria und des Josefs, dass er die Türe weit aufreißt und ruft: „Kommt nur herein ins Warme. Euch darf man doch nicht vor der Tür stehen lassen.“ Eine peinliche Panne am Heiligabend? - Sicherlich muss sich die „Regie“ für das Krippenspiel spontan ein paar Sätze einfallen lassen, damit die Weihnachtsgeschichte fortgesetzt werden kann. -

Keine Panne ist es für die Weihnachtsbotschaft. Die ist bei Paul nämlich angekommen. In dem neugeborenen Kind Jesus kommt Gottes Liebe in diese Welt, den Menschen ganz nah. In Jesus teilt Gott das Schicksal der Menschen. Er kommt als hilfsbedürftiges Kind zur Welt, unterwegs im Behelfsquartier, den Zuständen der Welt ausgeliefert. Der Allmächtige legt das Große ab und wird klein.

Gott will uns Menschen anrühren und bewegen. So wie Kinder uns anrühren, unsere guten Seiten hervorlocken, so will das Kind in der Krippe verändern zu wahrer Menschlichkeit, so dass Menschen erkennen, was anderen gut tut, und danach handeln. Das ist eine Einladung zum Nachahmen. „Mach´s wie Gott, werde Mensch!“

Wenn das gelingt, sind Menschen mitten in der Weihnachtsgeschichte angekommen – so wie Paul. Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht

Beate Marwede, Superintendentin des Kirchenkreises Meiningen