Besinnung für das Meininger Tageblatt am 09.11.2019
11.11.2019

„Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“
Das hat Jesus Christus mal zu den Menschen gesagt. Was das Licht für unser Leben bedeutet, welchen Wert es hat, das kann man in dieser Zeit, in der die Tage kürzer werden, sehr gut begreifen. Der Herbst ist die Zeit der Lichter, jetzt werden sie angezündet, sei es zu „Meiningen leuchtet“, sei es zum Laternenumzug am Martinstag.

Im Herbst 1989 waren es Hunderte und Tausende Kerzen, die friedlich aus den Kirchen auf die Straßen getragen wurden. Für mich ist die Umstellung der Zeit Ende Oktober zunächst immer ein deprimierendes Ereignis. Erst jetzt wird mir bewusst, wie lange der Zenit des längsten Sommertages schon vorüber ist, wie unausweichlich nah der Winter vor der Tür steht mit seinen ganzen Unannehmlichkeiten, am meisten aber der Dunkelheit.

Es ist absolut nicht schön, wenn man den ganzen Tag bei Helligkeit arbeitet und dann zum Feierabend nur noch Dunkelheit vorfindet. Mein Hobby Geocaching, wo ich meinen körperlichen und seelischen Ausgleich zum Tagesgeschäft hernehme, kann ich dann vergessen, denn ich sehe ja nichts mehr. Es gilt schließlich, versteckte kleine „Schätze“ in der Landschaft zu finden…

Ein Kind fürchtet sich vor der Dunkelheit. Die Kellertreppe, der nächtliche Alptraum, eine kaputte Glühbirne in der Nachttischlampe, das sind alles gruselige Erlebnisse, die ein kleines Wesen nicht so einfach wegsteckt. Es reichen schon Geschichten, in denen es um Dunkelheit geht, um ein Kind in diese Gruselstimmung zu versetzen. Aber natürlich gilt vieles davon auch für Erwachsene.

Es ist doch ein Riesen-Unterschied, irgendeinen hübschen Platz in der Stadt oder dem Dorf bei Tageslicht zu erleben und dann bei Dunkelheit. Da, wo tagsüber Touristen sich tummeln und Menschen Straßencafés bevölkern, ist nachts eine unheimliche Stimmung, sind wir schreckhafter, betrachten wir andere Passanten mit größerer Skepsis. Manchmal mit, meistens aber ohne Grund.

Was ist es, das uns Licht so angenehm und Dunkelheit so unangenehm werden lässt? Das Licht ist Geborgenheit und die Dunkelheit ist Angst. Im Dunkeln brechen alle unsere Ängste auf. Ganz gleich, ob sie rational oder völlig unbegründet sind. Ein Kind hat vor allem Möglichen Angst, ein Erwachsener im Wald wohl eher vor Tieren und in der Stadt vor Menschen.

Angst ist immer dabei, wenn es dunkel ist. „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ Wie gerne höre ich diesen Satz, den Jesus gesagt hat! Bei Licht, das in die Welt kommt, kann man nur an das Gute, das Tröstende, das Heilende, Ehrliche, Reine und Wahre denken.

Jesus verspricht uns, dass wir, wenn wir an ihn glauben, nicht in der Finsternis bleiben. Jesus will uns unser Herz erleuchten. Er will uns nicht der Finsternis, nämlich den üblen Gedanken, den Lebensängsten, dem Misstrauen oder gar dem Hass überlassen, sondern uns da rausholen.

Licht ist eben auch Erkenntnis und Klarheit. Und es gibt Sicherheit. Man muss nicht an den Herausforderungen des Lebens verzweifeln. Mit seinen Sorgen kann man sich im Gebet an Jesus wenden. Er wird da sein, wenn wir uns sorgen um die Zukunft des Landes, um neue Anforderungen an der Arbeit und Familie oder um den Ausgang schwieriger Gespräche. Er steht uns zur Seite mit seinem Licht und macht uns stark und sicher, wenn wir nur an ihn glauben.

Ich wünschte, alle Menschen könnten diese tröstliche Erfahrung machen. Lasst uns Lichter anzünden gegen Angst und Hass, vor 30 Jahren hat es doch auch geklappt!

Diakon Marc Scheidig, Meiningen