Besinnung zu Silvester „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Jahreslosung aus Markus Kapitel 9 Vers 24)
24.01.2020

Liebe Leserinnen und Leser,
das alte Jahr liegt hinter uns, ist ausgelatscht. 2020 vor uns, unberührt. 2019 ist wie eine ausgefahrene Loipe mit Fahrspuren, Abdrücken, Fußstapfen. Viele sind da entlang gefahren. Selten sieht man noch eine Strecke. Tief eingegraben sind die Spuren in den Abfahrtskurven, manche sind vereist. Stürze waren vorprogrammiert, wenn jemand einen anderen Weg finden musste.

Fest getrampelt ist der Schnee in den Anstiegen. Wer nicht die richtige Technik beherrschte oder schon zu schwach war, rutschte zurück oder stürzte. Andere mussten ganz am Rand langsam nach oben trippeln.

Jeder kann erkennen: Profis sind hier nicht entlang gefahren. Da fehlte es an Technik, an Kleidung, am richtigen Material. Immer wieder fehlte auch die Motivation. An vielen Stellen sind Löcher zu sehen. Da wurden die Ski abgeschnallt und mühsam ging es zu Fuß weiter, weil nichts anders mehr möglich war.

Die 2019er Strecke ist von uns gezeichnet, aber wir auch von der Strecke. Einem erschien es ganz leicht, ein anderer hatte große Probleme. Ein dritter ist abgekämpft mit vielen blauen Flecken. Ein vierter brauchte Hilfe, um überhaupt noch ein Stückchen weiter zu kommen. Ein anderer brach vor Erschöpfung zusammen ...

Wenn ich zurück schaue, kann ich sehen, wie brutal mancher Anstieg war oder gefährlich manche Abfahrt. Durch den Wald mit den Wurzeln war es besonders mühsam. Aber es musste vorwärts gehen, immer weiter und weiter. Die nächste Anhöhe war schon ja vor Augen.

Und nun stehe ich oben auf dem Hügel 2019. Glatt und schön, wie frischer Schnee, liegt 2020 vor mir. Sanft gehts hinunter. Noch ist keine Spur da. Soll ich los? Jetzt? Wenn ich weiter und ankommen will, muss ich das Unberührte durchschneiden, meine Spur auch 2020 hinterlassen.

Ihnen einen Guten Rutsch und eine gute Fahrt im neuen Jahr wünscht Pfarrer Michael Schlauraff, denn eines ist mir klar: Ich bin auch im Unberührten und Neuen nicht allein unterwegs: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Jahreslosung aus Markus Kapitel 9 Vers 24).

Pfarrer Michael Schlauraff, Bibra